Immo Grief

In der Krise wandert das Kapital am liebsten in Baustoffe. Dort ist es sicher gebunden, dort ist noch was zu holen: Straßen, Häuser, Dachgeschoßwohnungen – alles muss neu gebaut werden. Um zu bauen, wird erst einmal zerstört, was da ist. Und vertrieben, wer da wohnt und werkt.

Das Recht auf Wohnen ist nicht nur das Recht auf ein Dach über dem Kopf. Es ist das Recht, an einem sicheren Ort zu sein, sich zurückzuziehen, sich zu stärken für den nächsten Kampf, gemeinsam und angstfrei am Küchentisch zu sitzen. Wenn der eigene Wohn- oder Arbeitsort, der Ort, um Freund:innen zu treffen, in Gesellschaft zu sein, verloren geht, die bauliche und soziale Umgebung sich radikal verändert, kann tiefe Trauer entstehen. Wie können wir der Trauer um das abgerissene Haus, die geräumte Hütte, den vertriebenen Wohnwagen, die durch Zwangsdelogierung verlorene Wohnung Ausdruck verleihen? Wie verabschieden wir eine Siedlung? Wie und wo erinnern wir uns an ein Stadtviertel? Mit welchen Ritualen trauern wir um ein Bauwerk, das einem Neubau weichen musste?

Mit »Immo Grief. Für eine kollektive Kultur des Trauerns um ein Zuhause« erarbeiten wir ein Konzept der Trauer um verlorene Immobilien – zwangsgeräumte Wohnungen, abgerissene Stadtteile, überflutete Dörfer, zugebaute Brachen, zerstörte Protestbauten.

Ein Projekt von Lisa Bolyos und Tomash Schoiswohl. Ausstellung / Trauermarsch / Leichenschmaus. September 2022, Kulturzentrum 4lthangrund/Alte Mensa, Wien. Die Werkstattpublikation »Immo Grief. Für eine kollektive Kultur des Trauerns um ein Zuhause« ist im November 2022 eschienen.

Web: https://immogrief.net/

Immo Grief, Trauermarsch. Foto: Michael Bigus
Immo Grief, Trauermarsch. Foto: Michael Bigus
Immo Grief, Trauermarsch. Foto: Michael Bigus
Immo Grief, Trauermarsch. Foto: Michael Bigus
Immo Grief, Vernissage. Foto: Michael Bigus

Immo Grief, Kinderworkshop. Foto: Lisa Bolyos
Immo Grief, Kinderworkshop. Foto: Lisa Bolyos
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